Vom Wohnzimmer zur Festivalbühne: Die besten zu Hause aufgenommenen Alben aller Zeiten

Vom Wohnzimmer zur Festivalbühne: Die besten zu Hause aufgenommenen Alben aller Zeiten


Zwar sind Maßnahmen wie Ausgangsbeschränkungen und das Kontaktverbot derzeit wichtig und sinnvoll, jedoch sind Däumchendrehen und Langeweile dabei sozusagen vorprogrammiert.

Nicht alles ist schlecht daran, dass unser Leben für eine Weile stillsteht. Menschen auf der ganzen Welt nutzen den zeitlichen Überschuss, um produktiv zu werden, zu reflektieren, Neues zu lernen und andere davon zu überzeugen, dies auch zu tun. Moog und KORG stellen ihre Synthesiser-Apps derzeit kostenlos zur Verfügung, sodass deiner Musikkarriere nichts mehr im Weg steht.

Einige der besten Alben der Geschichte wurden mit minimaler Ausstattung in Wohnzimmern, Küchen, auf Dachböden und in Garagen aufgenommen. Wir haben uns die einflussreichsten und bemerkenswertesten Scheiben angehört, um dir in dieser Zeit der Unsicherheit ein wenig Inspiration zu bieten.

Wer weiß? Vielleicht bist du ja in naher Zugang der nächste Star auf der Festivalbühne. Hier sind die besten Alben, die in den eigenen vier Wänden aufgenommen wurden.


The Streets - Original Pirate Material (2002)

 

Das Album, das von Mike Skinner unter dem Pseudonym The Streets aufgenommen wurde, zählt zu den prägendsten britischen Alben der 00er-Jahre. Mit seinem eingängigen Garage-lastigen Hip-Hop-Sound verkörpert es das Leben der innerstädtischen Arbeiterklasse. Dass das Album in Skinners gemieteter Wohnung in Brixton aufgenommen wurde, verleiht der Scheibe mit ihren sarkastischen und gesellschaftsbewussten Texten eine Extraportion Authentizität. Die Vocals wurden übrigens in einem Schrank aufgenommen.

 

Foo Fighters - Wasting Light (2011)

 

Mit der Scheibe Wasting Light kehrte Dave Grohl im Jahr 2011 mit den Foo Fighters zu seinen Wurzeln zurück und ließ sich von seinen Jugendjahren, die er musizierend in der Garage seiner Eltern verbrachte, inspirieren. Für einen authentischen Do-it-Yourself-Vibe wurde die in seiner Garage aufgenommene Platte gänzlich mit analogem Equipment eingespielt. Normalerweise sind es ja Kinder, die ihren Eltern mit lautem Schlagzeuggetrommel auf den Zeiger gehen und nicht umgekehrt.

 

Beck - Odelay (1996)

 

Odelay, das fünfte Album von Beck ist zweifelsohne das für seine Karriere entscheidendste. Es wurde in einem kleinen Zimmer umgeben von der riesigen Plattensammlung der angesehenen Hip-Hop-Produzenten Dust Brothers aufgenommen. Was als intime reflektierende Solo-Aufnahme begann, wurde von Beck aufgrund von negativen Ereignissen in seinem Leben verworfen, woraufhin er Samples von den vielen Alben, die er zu dieser Zeit hörte, in sein Projekt einfließen ließ. Heutzutage haben wir alle Zugriff auf Spotify und wissen gar nicht wohin mit der ganzen Vielfalt.

 

 

Bon Iver - For Emma, Forever Ago (2007)

 

Dieses Album verkörpert den Ethos der sozialen Isolierung und Distanz. Ganz bewusst entschied sich Justin Vernon aka Bon Iver aufgrund eines gebrochenen Herzens in einer abgeschiedenen Hütte in Wisconsin eine Kollektion an minimalistischen Tracks zu schreiben und produzieren und schaffte ganz nebenbei eines der einflussreichsten Alben seiner Generation. Im Laufe der Zeit wurde sein einzigartig geschichteter melancholischer Gesangsstil von zahllosen Künstler*innen auf der ganzen Welt kopiert.

 

Bob Dylan & The Band - The Basement Tapes (1975)

 

Das Album wurde im „Big Pink“, Bob Dylans Haus in Woodstock, aufgenommen und wurde erst acht Jahre später veröffentlicht. Nach seinem Motorradunfall zog sich Bob Dylan aus der Öffentlichkeit zurück und lud stattdessen The Band (aka The Hawks) zu sich ein, um mit ihnen in seinem Haus einige Tracks einzuspielen. Genauer betrachtet war das Album ein Vorbote für sein späteres Werk mit nachdenklich reflektierenden Texten, anstelle der gewitzten sozialkritischen Hymnen.

 

The Prodigy - Always Outnumbered, Never Outgunned (2004)

 

Mit Fat Of The Land stürmten The Prodigy 1997 die Charts und lehrten der Welt das Raven. Fast sieben Jahre danach saß Liam Howlett auf einer Handvoll Tracks, für die er der bewehrten Weise des Trios Alben aufzunehmen, den Rücken zukehrte und ein gänzlich neues Projekt lediglich mithilfe eines Laptops schuf. Das Resultat war ein einzigartiges Album, vor allem wenn man bedenkt, dass Howlett, wie er später zugab, Tracks produzierte, während er im Bett fernsah.

 

Mac DeMarco - Salad Days (2014)

 

Inzwischen ist es beinahe schon keine Besonderheit mehr, dass ganze Alben professionell in den eigenen vier Wänden aufgenommen werden, jedoch ist Mac DeMarco mit der einzigartigen Lo-Fi-Slacker-Rock-Ästhetik so etwas wie der Held dieser Do-It-Yourself-Bewegung. Wie in der Pitchfork-„Macumentary“ Pepperoni Playboy dokumentiert, verschanzte sich Mac DeMarco in einem winzigen Zimmer (von ihm JizzJazz-Studio genannt), das er bis zum Rand mit Keyboards, Gitarren und Verstärkern füllte und ganz zweifellos das Album aufnahm, das ihm zu seinem Durchbruch verhalf.

 

 

Four Tet - New Energy (2017)

 

Zu den aktuelleren Alben der Sparte gehört sicherlich das von Kieran Hebden aka Four Tet, der nach einer introspektiven Herangehensweise an elektronische Musik suchte und sich daraufhin mit einem einfachen Laptop, Lautsprechern und Midi-Keyboard in seinem Heimstudio verschanzte, von dem er durch ein kleines Fenster einen Ausblick auf den Wald hatte. In seinem bisher entspanntesten Album New Energy vereint er lebhafte Club-Vibes mit einer beruhigenden Geräuschkulisse.

 

Bruce Springsteen - Nebraska (1982)

 

Das Album Nebraska wurde ursprünglich auf einem Vierspurrekorder als Demo aufgenommen, die für das nächste Album der E Street Band dienen sollte. Jedoch befand Bruce Springsteen, dass die Aufnahmen einfach nicht zur bombastischen Heartland-Rock-Produktion passten, die sein Werk zu dieser Zeit prägte. Das Album Nebraska verkörpert Rastlosigkeit und Einsamkeit und brachte ihm das Lob der Kritiker*innen ein.

 

Billie Eilish - When We All Fall Asleep, Where Do We Go? (2019)

 

Eine der gefragtesten und einzigartigsten Pop-Künstlerinnen ihrer Zeit ist zweifellos Billie Eilish. Sie perfektionierte ihren innovativen ASMR-artigen Gesangsstil jahrelang zu Hause in ihrem Zimmer und genau dort nahm sie auch ihre Songs auf. Im Rahmen einer äußert erfolgreichen Zusammenarbeit übernahm ihr großer Bruder Finneas die Produktion. Billies Karriere ging in kürzester Zeit steil und im zarten Alter von nur 18 Jahren wurde sie zur Pop-Ikone. Gar nicht schlecht für ein in den eigenen vier Wänden aufgenommenes Album.

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