PollerWiesen Festival: „Um etwas Besonderes zu schaffen, müssen die Dinge manchmal ein bisschen verstörend sein“

PollerWiesen Festival: „Um etwas Besonderes zu schaffen, müssen die Dinge manchmal ein bisschen verstörend sein“


Vor 26 Jahren machte PollerWiesen mit Underground-Raves in den 90er-Jahren seine Anfänge – inzwischen schmeißt die Marke einige der gefeiertsten Elektro-Partys Deutschlands.

Das Team von PollerWiesen hat sich im Laufe der Jahrzehnte fest in der Szene etabliert und stellt Jahr für Jahr einige der begehrenswertesten Partys auf die Beine. Gerade ging ein weiteres PollerWiesen Festival erfolgreich über die Bühne und eine neue Ausgabe von PollerWiesen Day & Night erwartet uns im August.

Die Marke ist bekannt für ihre extravagante Produktion und eindrucksvollen Line-ups; seit jeher stehen einflussreiche DJs und Produzent*innen auf dem Programm.

Um mehr über eine der wichtigsten Marken in Sachen deutscher Techno-Festivals zu erfahren, haben wir mit Mitch Kastens, einem der Köpfe hinter PollerWiesen, gesprochen. Mitch ist im Bereich Marketing, Programm und Kreatives tätig und hat uns verraten, was die Veranstaltungen innerhalb der Branche so besonders macht.


Ihr habt in den 90er-Jahren mit Underground-Raves angefangen, inzwischen veranstaltet PollerWiesen einige der gefeiertsten Partys in Deutschland. Wie kam es dazu?

Ich glaube, unsere Geschichte ist gemeinsam mit der elektronischen Musik im Allgemeinen gewachsen. Alles begann Anfang der 90er. Die gesamte Struktur, die sich heutzutage Branche nennt, hat sich im Laufe der Jahre entwickelt, und so auch PollerWiesen. Dabei ist sich die Marke stets treu geblieben. Wir sind sehr dankbar, dass wir bereits seit 25 Jahren aktiv sind und viele Leute unsere Leidenschaft für elektronische Musik teilen.

Der Techno hat über die Jahre eine passionierte Anhängerschaft gewinnen können. Lassen sich Trends von damals auch heute beobachten?

Ja, wie auch die Mode folgt die Musik bestimmten Strömungen. Sie kehren in zyklischen Abständen zurück. Aber das Interessante daran ist, dass Trends in einer Art „geremixten“ Version zurückkehren. Das bringt frischen Wind in die Sache und diese Analogie lässt sich auch auf elektronische Musik anwenden, in der alles eine Fortführung von etwas ist, das bereits existierte.

Gerade scheint es, als seien die 90er-Jahre wieder voll im Kommen. In der Mode wie auch in der Musik. Wir hören wieder viel härteren und schnelleren Techno. Lustigerweise scheint jedoch alles so vielfältig wie noch nie zuvor. DJs können in ihren Sets verschiedenste Stile mischen, dasselbe Publikum tanzt genauso gerne zu Techno wie zu einem brasilianisch oder afrikanisch beeinflusstem Disco-Set.

Ihr zählt zu den führenden Marken der Szene. Wie wird sich die Szene im Laufe der nächsten Jahre eurer Meinung nach entwickeln?

Wir sehen, dass der Festivalmarkt immer weiter wächst und sich internationale Marken entwickeln und auch in ausländischen Märkten vertreten sind. Ein Festival muss nicht mehr in der Region angesiedelt sein. Auch wir haben Bühnen und Veranstaltungen in verschiedenen Städten präsentiert, unsere Hauptveranstaltungen steigen jetzt jedoch in unseren Heimatstädten Köln und Dortmund in dem schönen Revierpark Wischlingen, in dem wir mit vier Bühnen auffahren.

Uns ist wichtig, uns und unserer Vision treu zu bleiben. Das Publikum weiß, welchen Zweck ein Promoter verfolgt, daher denke ich, dass es in Zukunft immer wichtiger sein wird, dem Ganzen seinen Stempel aufzudrücken.

Auf der anderen Seite sehe ich jedoch ein rasches Tempo in Bezug auf neue Talente. Das hat Vor- und Nachteile. Aber im Großen und Ganzen bin ich ein positiver Mensch und denke, dass es sich um eine Demokratisierung der Karrieresache handelt und die Künstler mehr Kontrolle über ihre eigene Arbeit haben. Neue Talente und frische Musik können so schnell aufkeimen, sie warten nur darauf, entdeckt zu werden.

Ihr präsentiert das Jahr über eine Reihe an Partys wie die Day & Night-Events und eure fantastischen Bootpartys. Was waren eure Highlights der vergangenen Jahre?

Ein Highlight ist definitiv die Schaffung unseres jährlich stattfindenden Festivals am Pfingstsonntag in Dortmund. Es ist unser größtes Event mit vier Bühnen und in diesem Jahr haben wir das vielseitigste und mutigste Line-up aller Zeiten zusammengestellt. Wir freuen uns sehr, dass unser Publikum das gut aufgenommen hat und wir großartiges Feedback erhalten haben. Als Promoter lernst du nur, wenn du neue Dinge ausprobierst und du trotz der Risiken, deine Vision weiterverfolgst. Wenn das Publikum das begrüßt, ist das das größte Lob.

Letztes Jahr haben wir dieses Day & Night-Ding das erste Mal in unserer 25-jährigen Geschichte ausprobiert. Im Jugendpark, der mitten in der Stadt liegt, dürfen wir die Musik nur bis 22.00 Uhr laufen lassen, daher dachten wir uns, dass es super wäre, einige unserer Lieblings-Clubs und -Künstler aus Köln einzubeziehen. Und natürlich hat das Publikum nach einem zehnstündigen Rave, der tagsüber stattfindet, noch genügend Puste übrig. So entstand das neue Format PollerWiesen Day & Night!

Und natürlich findet im Juni euer Flagship-Festival mit so vielseitigen Namen wie Ben Klock, DJ Stingray und Palms Trax statt. Ist es euch wichtig, abwechslungsreiche Line-ups zu präsentieren?

Ja, ich denke, auf diese Weise kann man etwas wirklich Besonderes schaffen. Entweder investiert man Unsummen in die immer gleichen Headliner oder man macht sich auf die Suche nach großartigen aufstrebenden Talenten. Wir vereinen Elemente wie verschiedene Genres und Stile sowie große Namen und weniger bekannte Acts zu einer für unser Publikum interessanten Mischung. Ist das nicht genau das Interessante an einem Rave? Du entdeckst Dinge, von denen dir vorher nicht bewusst war, dass sie dir gefallen. Um etwas Besonderes zu schaffen, müssen die Dinge manchmal ein bisschen verstörend sein. Wir hoffen, dass es das Publikum genauso feiert wie wir, bei hartem Techno zu 140 BPM zu tanzen und die nächsten zwei Stunden dann bei gemächlicherem Psychedelic eine andere Seite der elektronischen Musik zu entdecken.

Auf dem Programm steht auch das ein oder andere Underground-Talent. Liegt es PollerWiesen auch am Herzen, aufstrebenden Künstler*innen zu helfen?

„Helfen“ ist vielleicht das falsche Wort. Wir ziehen „integrieren“ oder „einladen“ vor. Unser Team ist in verschiedenen Musikbereichen tätig und entdeckt ständig Neues. Wir arbeiten den ganzen Tag lang mit Musik und möchten etwas schaffen, das auch wir lieben und legen daher das wichtigste Augenmerk auf die Musikauswahl und den Sound. Das sind die Basics eines Raves!

Apropos, welche der aufstrebenden Namen, die dieses Jahr auf eurem Festival spielen, sollte man auf keinen Fall vergessen?

Wir haben gerade den Zeitplan des PollerWiesen Festivals am 9. Juni veröffentlicht und hatten gemischte Gefühle zwischen „Hell yeah!“ und „Wie kann ich an vier Orten gleichzeitig sein?“. Also falls du einen Weg findest, zur gleichen Zeit an vier Orten zu sein, dann solltest du dir alle Acts ansehen. In Bezug auf aufstrebende Talente würde ich DJ Brom, Mad Miran, Giant Swan [live], Identified Patient und SPFDJ b2b Hector Oaks empfehlen.

Was sollten wir auf dem diesjährigen Festival außerdem noch im Auge behalten?

Komm vorbei, lass dich treiben und entdecke neue Bereiche der elektronischen Musik. Sei aufgeschlossen und du wirst hoffentlich die besten Tage deines Lebens verbringen!


Das PollerWiesen Festival 2019 findet am 9. Juni in Dortmund statt. Tickets, Unterkunft und Pakete kannst du in unserem Shop buchen und in unserem Guide findest du weitere Infos.

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