Angerfist: „Dass Hardcore weltweit beliebter wird, ist keine schlechte Sache“

Angerfist: „Dass Hardcore weltweit beliebter wird, ist keine schlechte Sache“


Hardcore ist ein Subgenre der elektronischen Musik, das jede Menge BPM unter der Haube hat. In den vergangenen 25 Jahren gewann das Subgenre eine treue Anhängerschaft und wird im Rahmen einer individualistischen Club-Kultur zelebriert.

In einer Zeit in der die Clubkulturen immer weiter schwinden, ist der Hardcore eine der letzten Bastionen des Underground-Phänomens. Eigene Festivals wie das Syndicate, Free Festival und Ground Zero und neue große Festivals wie Revolt haben ihren Erfolg ausschließlich den treuen Fans des Subgenres zu verdanken.

Vor allem in Mitteleuropa findet der Hardcore so langsam aber sicher auch seinen Weg in das Mainstream-Bewusstsein, was sich an einer steigenden Zahl an Festivals zeigt, die Hardcore-Bühnen anbieten. Mit Auftritten bei der Nature One, dem World Club Dome und EDC Las Vegas gehört Angerfist seit einigen Jahren zu den unangefochtenen Schwergewichten der Szene.

Angerfist aka Danny Masseling, der einen Hang zum Theatralischen besitzt und seinen Fans mit Gruseloptik und BPM satt einheizt, hat mit uns über das Mainstream-Potenzial des Hardcore und seine lang gehegte Beziehung zur Subkultur gesprochen.


Als wir uns das letzte Mal gesprochen haben, hast du uns von dem wichtigen Einfluss von Horrorfilmen auf deine Kreativität erzählt. Das scheint mit Tracks wie Pennywise auch heute noch zu gelten. Gibt es noch andere Bereiche, aus denen du die Inspiration für deine Musik ziehst?

Inspiration ziehe ich aus vielen Dingen. Ich höre verschiedenste Musikstile und jeder gute Track kann eine Quelle der Inspiration sein. Musik ist für mich auch Emotion. Freude oder Traurigkeit kann auch inspirieren.

Es ist schwierig, das zu konkretisieren, da es von vielen Dingen abhängig ist. Manchmal hat man gute Ideen und verbringt viele Stunden im Studio und zuweilen ist man blockiert. Aber du hast Recht, ich mag Horrorfilme noch immer – sowohl zur Unterhaltung als auch zu Inspirationszwecken.

 

 

Einige Acts, die für ihre Bühnenpersönlichkeit Masken verwenden, haben sich im Laufe ihrer Karriere neu erfunden, um neue Kapitel auf ihrem Schaffensweg aufzuschlagen. Kannst du dir vorstellen, dass du deine Persönlichkeit als Angerfist irgendwann einmal neu erfinden wirst?

Das scheint mir sehr unwahrscheinlich. Angerfist ist mein Leben. Das bin ich. Den Erfolg habe ich zum Teil der Maske, dem Namen und meinem Image zuzuschreiben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich das irgendwann einmal ändern wird. Ich mag es so.

 

Dein kürzlich erschienenes Musikvideo zu Critter hatte etwas von einem Video-Tagebuch. Bist du der Meinung, dass es für deine Follower*innen wichtig ist, einen Einblick in deine Welt zu gewinnen? Was war das ursprüngliche Konzept des Videos?

Das Video zu Critter ist eine Compilation an Shows aus dem Jahr 2018. Ich hatte damals keinen Megamix für das Ende des Jahres zusammengestellt, also entschloss ich, alle denkwürdigen Materialien in einem Video für den neuen Track zu verarbeiten. Ich mag diese Idee und werde es nächstes Jahr wieder so machen. Der Vlog-Typ bin ich nicht wirklich und bis auf Konzerte und dem Backstage teile ich nicht besonders viel aus „meiner Welt“.

 

 

Wie leicht fällt es dir, in einem Zeitalter des Massen-Streaming und einem Überfluss aus Inhalten auf Sozialen Medien, mit deiner Fanbase in Verbindung zu treten?

Durch Soziale Medien ist es viel einfacher geworden, mit Fans in Verbindung zu treten. Du erhältst sofortige Rückmeldung auf neues Material und kannst online mit deinen Fans kommunizieren. Das ist cool, jedoch wird die Bedeutung der Sozialen Medien oftmals überschätzt. Manch einer konzentriert sich bisweilen zu sehr darauf, was online geschrieben wird, anstatt auf das, was aus den Lautsprechern kommt.

 

In deiner Rolle als Angerfist verkörperst du eine aggressive Ästhetik, wobei andere Künstler*innen über dich sagen, dass du eher als bescheidener Typ rüberkommst. Gefällt es dir, für aufstrebende Künstler*innen in die Rolle des Mentors zu schlüpfen?

Ich nehme das als Kompliment. Aber ja, ich gebe neuen Talenten gerne eine Chance. Beispielsweise in der Form einer Zusammenarbeit oder eines Remixes. Ich kann begabten Künstler*innen ins Rampenlicht verhelfen, die sonst vielleicht nicht die Chance hätten.

 

 

Hast du jemals in Betracht gezogen, dein eigenes Label aufzuziehen, um erfolgversprechende Hardcore-Acts voranzubringen?

Nein, nicht wirklich. Ich bin mit meiner jetzigen Situation als Künstler bei dem Label Masters of Hardcore zufrieden. Ich kenne mich und ich weiß, würde ich mein eigenes Label haben, würde ich sehr viel Zeit investieren, um etwa Cooles zu erschaffen und hätte nicht mehr genug Zeit für
meine eigene Musik. Ich habe großen Respekt für Künstler wie Mad Dog, der sowohl sein Label Dogfight Records als auch seine eigene Karriere schaukelt. Ich bin mir nicht sicher, ob das mein Ding wäre.

 

Auch in diesem Jahr stehst du bei zahlreichen Festivals auf dem Programm. Beim Revolt Festival bist du als Headliner am Start und der Titel deines Albums Raise & Revolt zeigt deine tiefe Verbindung zu den Harder Styles. Gibt es aufstrebende Künstler*innen oder Produzent*innen, die du all denjenigen ans Herz legen kannst kannst, die das Genre Hardcore kennenlernen möchten?

Zu den neueren vielversprechenden Talenten zählen Acts wie Deadly Guns und Never Surrender. Sefa ist natürlich der aufstrebende Superstar des Hardcore, zu meinen persönlichen Favoriten zählt jedoch The Satan aus Russland. In Sachen aggressive Beats, Testosteron und krasse Baselines setzt er die Messlatte ganz oben an.

 

 

Innerhalb des Genres existierte schon immer eine lebhafte Underground-Szene, jedoch spielt der Hardcore inzwischen auch bei großen Festivals und Veranstaltungen in ganz Europa eine immer wichtigere Rolle. Besteht deiner Meinung nach die Gefahr, dass der Hardcore zum Mainstream verkommen und seine Authentizität verlieren könnte?

Dass Hardcore weltweit beliebter wird, ist keine schlechte Sache. Es ist eine geile Musikrichtung und immer mehr Menschen beginnen das zu verstehen. Ich genieße es, in neuen Ländern, auf größeren Bühnen und vor einem Publikum zu spielen, dem das Genre noch nicht bekannt ist. Mich inspiriert es, dass das Genre größer wird. Die Musik selbst verändert sich deswegen nicht. Die Authentizität bleibt, sofern den Künstler*innen der Stil am Herzen liegt.


Klicke hier, um zu erfahren, auf welchen Konzerten Angerfist dieses Jahr spielt.

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