Victor Ruiz: „Wenn ich das Gefühl habe, in eine andere ‚Dimension‘ wechseln zu können, tue ich das einfach“

Victor Ruiz: „Wenn ich das Gefühl habe, in eine andere ‚Dimension‘ wechseln zu können, tue ich das einfach“

Contact Festival 2019

Contact Festival 2019

München, Deutschland


Im Laufe der 13-jährigen Laufbahn von Victor Ruiz als Techno-Produzent hat der Elektro in seinem Heimatland Brasilien exponentiell an Beliebtheit gewonnen. Obwohl Victor Ruiz vor einigen Jahren nach Europa übersiedelte, stammen viele seiner Einflüsse weiterhin von seinen Wurzeln sowie den Erfahrungen, die er durch sein Tourleben im vergangenen Jahrzehnt in ganz Europa sammelte.

Dies ist vielleicht der Grund, der seine Version des Techno so einzigartig und gleichzeitig universell macht – oft auch als „verführerisch“ beschrieben. Seine Liebe zum Detail und seine Streben nach groovigen Klängen eröffnet seine musikalische Mischung für verschiedenste Settings. Dies ist mit Sicherheit auch ein Grund dafür, warum seine Remixe von Moby bis hin zu Olivier Giacomotto stets sehnlichst erwartet werden. Seine Erfolge sind nicht zuletzt in seiner harten Arbeit begründet.

Im Vorfeld seines heiß ersehnten Sets beim Contact Festival, das Ende diesen Monats stattfindet, hat Victor Ruiz sich die Zeit genommen, mit Festicket über die Wichtigkeit von Spontaneität und das Eingehen von Risiken, seine Freundschaft zu einem gewissen Adam Beyer (der gerade für den Drumcode Weekender Prague im kommenden Februar bestätigt wurde) und seine Liebe für Moby gesprochen.


Hallo Victor! Dein unverwechselbarer Sound wurde mit deinem Hintergrund im Rock 'n' Roll in Zusammenhang gebracht. Kannst du uns mehr darüber erzählen?

Auf jeden Fall. Aufgrund meines musikalischen Hintergrunds sehe ich Musik anders, vor allem wenn es um Techno geht. Meine Einflüsse haben mich zu dem gemacht, der ich heute bin und das spiegelt sich auch in meiner Musik wider.

 

Was hat den Anstoß für einen Wechsel zum Techno gegeben?

Als ich die Einfachheit, aber auch die Kraft des Techno verstand, habe ich mich in das Genre verliebt. Es war ein wirklich interessanter Prozess, denn ich musste ein anderes Genre „verlernen“, um zu verstehen, wie ich Techno produzieren kann. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sich meine Version des Techno von der Interpretation der meisten Leute unterscheidet.

 


Wurde dein Umzug von Brasilien nach Europa durch deinen Umstieg zum Techno-Produzenten angetrieben?

Absolut. Europa verfügt über eine langjährige Techno-Kultur und je mehr ich spielte und Musik herausbrachte, desto offensichtlicher wurde es, dass meine Zukunft in Europa lag. Ich genieße es, hier zu sein und ich weiß, dass es der richtige Schritt war. Ich war eine Zeit lang in Berlin und habe es dort geliebt, aber jetzt bin ich gerade nach Amsterdam gezogen und ich muss ehrlich sagen, dass es eine meiner Lieblingsstädte ist, in denen ich je gelebt habe. In Europa ist es so einfach viele Gigs effizient zu bekommen. Wenn man in Brasilien lebt, ist man weit von allem entfernt, so dass deine Touren durch Reisezeiten begrenzt werden.

 

Neben Oxia und Reinier Zonneveld hast du einige Tracks aus Mobys Backkatalog geremixt. Was hat dich zu diesen Remixen inspiriert und warum speziell Moby?

Suara hat mich zu einem Remix eines Moby-Tracks kontaktiert und ich konnte auswählen, welchen Track ich remixen wollte. Um es kurz zu machen: Ich war so begeistert, dass ich am Ende drei Remixe von seinen Tracks machte. Ich bin ein Fan, so dass ich nie mit meinen Remixen zufrieden war.

 

Wie wählst du Tracks zum Remixen aus? Gibt es einen bestimmten Prozess oder nimmst du einfach das, was sich in dem Moment richtig anfühlt?

Hauptsächlich die Tracks selber. Wenn ich einen Track liebe und weiß, dass ich damit etwas Cooles machen kann, dann stelle ich mir die Herausforderung einen Edit zu erstellen. Ansonsten versuche ich es gar nicht erst. Es gibt Tracks, die unantastbar, zeitlos sind und genauso bleiben müssen. Etwa so wie die Tracks von Moby – ich bin so ein großer Fan von den Originalen, dass ich das Gefühl habe, dass sie immer die beste Version bleiben werden, egal, wer den Remix macht.

 

Wie wählst du die Tracks für dein Set aus?

Das hängt alles vom Publikum, der Stimmung, der Umgebung und dem Zeitpunkt ab. Es ist eigentlich von vielen verschiedenen Faktoren abhängig. Bei mir ist es meistens immer Techno, so richtig, aber wenn ich das Gefühl habe, auch in andere „Dimensionen“ wechseln zu können, dann tue ich es.

 

„Nimbus“, dein aktuellster Track, wurde bei Drumcode veröffentlicht. Wie kam es dazu?

Ich hatte diesen Track, den ich liebe, und sah sein Potenzial. Ich hab ihn Adam geschickt und er gefiel ihm. Er hat ihn sofort genommen, zusammen mit dem B-Side-Track „Unveil“. Das Ergebnis war hervorragend. Für mich war es eine sehr starke EP – wir haben auch viel Unterstützung von anderen Künstlern erhalten, wofür ich immer dankbar bin.

 

Hattest du vorher schon eine professionelle oder persönliche Beziehung zu Adam Beyer?

Ich habe mit ihm schon seit fast zwei Jahren gesprochen, bevor ich es geschafft habe, diesen Release einzutüten. Er ist sehr professionell, weiß, was er will und hat eine klare Vision, wenn es um Drumcode geht. Er hat hart dafür gearbeitet, es zu dem zu machen, was es heute ist, und es ist kein Ende in Sicht, das ist sicher. Ich habe eine hohe Meinung von Adam, er weiß genau, was er tut. Das ist viel wert.

 

Wie du weißt, steht er auch auf dem Line-up des Contact Festival. Wie stehen die Chancen auf ein spontanes B2B-Set?

Das wär richtig cool. Wer weiß...

 

Du hast 2016 zuletzt beim Contact gespielt. Seitdem ist es natürlich weiter gewachsen. Erwartest du daher noch mehr Energie in den berühmten Industriehallen des Festivals?

Mega! Es ist immer schön zu sehen, dass ein Festival erfolgreich ist und Jahr für Jahr weiter wächst. Es ist eine hart umkämpfte Industrie für Künstler als auch für Promoter, deshalb gibt es viele Veranstaltungen, die kommen und wieder gehen. 2016 hat viel Spaß gemacht und ich freue mich sehr, vor allem seitdem ich das Line-up des Festivals gesehen habe. Es wird ein unvergessliches Erlebnis.

 

Ohne zu viel vorwegzunehmen, gibt es bestimmte Tracks, die du in dein Set beim Contact einbauen wirst?

Ach, ich versuche meine Sets nie zu planen. Manchmal gehst du rein und hast einen Plan, was du spielen willst und dann läuft alles anders. Deshalb kann ich dir jetzt noch gar nicht sagen, was ich spielen werde. Aber ich werde versuchen, einiges meiner noch nicht veröffentlichten Musik mit reinzubringen. So oder so wird es gut werden.


Das Contact Festival 2019 findet am 30. November statt. Letzte verbleibende Tickets kannst du hier buchen.

Die aktuelle Veröffentlichung von Victor Ruiz, ein Remix von CAITLINs Freaks & Misfits bei Electric Ballroom, kannst du dir hier anhören.

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